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Verein Mitteldeutsche Kirchenstrasse feiert 10-jähriges Jubiläum – Das Wunder von Wörblitz

Kloster Schulpforta Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass eine Idee auf so fruchtbaren Boden fällt.
Anne Lüttgens-Müller, Lysander Pötzsch und weitere engagierte Akteure gründeten damals 2001 einen Verein, der zum Inhalt hat  einerseits alte, sanierungsbedürftige  Kirchen vor dem Verfall zu retten und andererseits das kulturelle Leben auf dem Lande durch vielfältige Angebote und Aktivitäten zu bereichern.
Ein kühnes Vorhaben, denn derlei sakrale Bauten gab es viele auf den Dörfern. Ein Fass ohne Boden. So schien es!?
In Wörblitz, einem Ortsteil des sächsischen Dommitzsch  wollte man den Beweis antreten und exemplarisch für viele ungenutzte Kirchen in unserem Land ein längst aufgegebenes Gotteshaus wieder zum Leben erwecken. Dass dies gelang erscheint wie ein Wunder.
Der erste Gottesdienst zu Pfingsten 2005  nach über einem Jahrzehnt ist noch vielen in Erinnerung. Das kleine Senfkorn Hoffnung – ein Lied aus der Wendezeit, beschrieb jene euphorische Stimmung, die damals herrschte und zugleich Mut für andere ähnliche Initiativen machte.
Doch die Pfarrer mancher Kirchengemeinde schauten zunächst distanziert und skeptisch auf die Initiative des Vereins. “Wann wird denen wohl die Luft ausgehen bei einem Vorhaben, an dem sich andere schon die Zähne ausgebissen hatten.” – so und ähnlich lautete die landläufige Meinung.
Doch die Prophezeiung, dass den Machern des Vereins die Luft ausgehen würde traf nicht ein. Im Gegenteil, es blieb nicht bei leeren Worten. Fördervereine in Braunsdorf, Polbitz, Labrun, Friedersdorf, Dautzschen, Lebien und Bleddin entstanden und schlossen sich dem Verein an. Der Freundeskreis Paul Gerhardt in Gräfenhainichen wurde zum engen Mitstreiter.
Deutschlandweite Ausstellungen an repräsentativen Orten folgten. Die Präsenz auf Kirchentagen oder dem Reformationstag in Wittenberg sind mittlerweile feste Größen im Terminkalender des Vereins Mitteldeutsche Kirchenstrasse.
Noch gern erinnert sich Vereinsvorsitzender Lysander Pötzsch an die Ausstellung des Vereins 2004 in Antwerpen und Brüssel.
“In Belgien wurde uns bewusst, was Kirchen in unserer Kulturlandschaft für einen Kleinod darstellen. Dort von außen fand man viele anerkennende Worte, auch vom deutschen Botschafter.”

Passend zum Internetzeitalter präsentiert nun auch schon seit 10 Jahren der  stellv. Vorsitzende des Vereins Peter Werner aus Jessen/Schweinitz das große Netzwerk der über 120 Kirchen zwischen, Torgau, Wittenberg, Gräfenhainichen und Bitterfeld auf der Homepage des Vereins. Dass man sich auch in den USA, im fernen China und in Südamerika dafür interessiert sei dabei nicht nur am Rande vermerkt.
Was will der Verein? Diese Frage stellte man sich oft und kam schließlich zu dem Schluss: “Wir wollen die Menschen mit dem “Virus” unserer Vereinsphilosophie infizieren und eine Botschaft verkünden, die da lautet: Macht es wie wir und gebt nicht auf, wenn es um den Erhalt Eurer kleinen Dorfkirche geht.” Damit war rasch die Bezeichnung “Botschaft” gefunden, die inzwischen für zwei symbolträchtige Kirchen steht – eine im sächsischen Wörblitz bei Dommitzsch, die andere in Naundorf bei Seyda. Beide Kirchen vermitteln den Besuchern viele Informationen zum Verein und stehen für Führungen jeder Zeit offen. Alljährlich wiederkehrende Kirchenexkursionen , wie die Südflämingtour und die Goitzschetour besitzen inzwischen schon traditionellen Charakter.
Was wäre allerdings ein Verein ohne seine engagierten Mitstreiter? Sie bilden das Stützkorsett und sind feste Größen bei allen Aktivitäten.
10 Jahre Mitteldeutsche Kirchenstrasse sollen nicht sang- und klanglos am Verein vorüber gehen. Deshalb ist am Samstag, den 8. Oktober  um 14.00 Uhr im Rahmen der Festveranstaltung ein Konzert mit der Gruppe “Grenzgänger” in der Kirche zu Klöden geplant. Der Verein ist sich einig: “Wir wollen an dem bisherigen Konzept fest halten, weil es uns voran gebracht hat. Wir sind sicher, nicht die Welt einreißen zu können. Doch in kleinen Schritten können wir viel bewegen.”
Quelltext: Rainer Schultz  Wittenberg,Lutherstadt  redaktionelle Ergänzungen Peter Werner, Jessen, Elster

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