Home » Neue Aktivitäten     

Christen und Muslime suchen den Dialog in Wittenberg

(c) 2012 mitteldeutsche-kirchenstrasse.de

Altes Rathaus in Wittenberg

Sie waren von weit angereist: die Psychologin Laila Abdallah al-Kadhem aus Saudi Arabien, der Journalist Emad Khalil Kamel aus Ägypten, Professor Fathy M.A. Abouayana von der Universität Alexandria und die Vertreter der christlichen Minderheiten in ihren Ländern – Bischof Anba Morcos (Ägypten) und Pfarrerin Najla Kassab (Libanon), aber auch türkische Journalisten interessierten sich für den interreligiösen Dialog, der am Montag, den 23.04.2012 bereits in Halle/Saale stattfand und am Dienstag in Wittenberg, der Stadt der Reformation, für die 16-köpfige Delegation aus dem Nahen Osten ihren Abschluss erlebte.
„Der emotionalste Moment war für mich gestern ein Erlebnis in der Marktkirche Halle. Unsere muslimischen Gäste, die erstmalig eine christliche Kirche betreten hatten, hielten ein Fürbittegebet.“ Von dieser Geste noch sichtlich beeindruckt zeigte sich Pfarrerin Dr. Erika Godel (Berlin). Sie war für die Organisation der Reise und des Programms verantwortlich, was ihren Worten zufolge nicht immer ganz einfach war.
Der für Ökumene und Auslandsarbeit zuständige Bischof Martin Schindehütte (Hannover), der auch den Impuls zum interreligiösen Dialog gab, entdeckte einmal mehr viele gemeinsame Anknüpfungspunkte und Schnittstellen beider monotheistischen Weltreligionen. Von Interesse war auch die Frage: Was erwartet eigentlich den „Reformationstouristen“ in den nächsten Jahren? Michael Wegner, Direktor der EKD-Geschäftsstelle „Luther 2017“ versuchte darauf eine Antwort zu finden. Er ging in seinem Vortrag auf die Höhepunkte der Reformationsdekade ein. So wird beispielsweise das Jahr 2013 zum „Jahr der Toleranz“ ernannt, ehe weitere Themenjahre bis zum „großen Finale“ 2017 folgen werden.
Die großen Protagonisten der Reformation, wie Luther, Melanchthon, Bugenhagen, aber auch Zwingli und Calvin wurde den arabischen Gästen – stets im Kontext zur Geschichte des 16. Jahrhunderts – näher gebracht. Ein Stück europäischer Geschichte, die die Welt veränderte.„Ich hoffe Sie sind 2017 unsere Gäste“, sprach Wegner schon mal vorsichtig eine Einladung aus, was mit höflichem Lächeln quittiert wurde.
„Wie feiert man bei Ihnen dieses Jubiläum? – wollte Professor Abouayana aus Ägypten wissen.
„Der große Kirchentag 2017 wird in Berlin stattfinden. Damit die Lutherstadt nicht leer ausgeht, gibt es den Abschlussgottesdienst in Wittenberg. Die Elbwiesen als Kulisse (die beeindruckenden Bilder vom Kirchentag in Dresden 2011 sind noch allgegenwärtig) sind bereits im Gespräch.“ – so der Direktor der EKD.
Kathrin Oxen, Leiterin des Zentrums für Evangelische Predigtkultur, konnte die Zuhörer mit einigen interessanten Zahlen und Fakten informieren. So gibt es in Deutschland beispielsweise bereits 3000 Moscheen und 900 Imame (islamische Geistliche), deren Aufenthalt in Deutschland sich jedoch nur auf zwei bis fünf Jahre beschränkt.
Immerhin leben gegenwärtig vier Millionen Muslime (5% der Gesamtbevölkerung) in Deutschland.
Eine von ihnen ist die türkischstämmige Zehra Yilmaz aus Duisburg. Sie leitet eine Bildungs- und Begegnungsstätte. Auch das ist Integration.
Große Hoffnungen verbanden sich vor einem Jahr für viele Ägypter mit dem erfolgreichen Ausgang der Revolution – der große Umbruch in der arabischen Welt. Diesen Optimismus teilten auch die 6% der christlichen Minderheit mit ihren Landsleuten. Schon bald folgten jedoch Pogrome in der Hafenstadt Alexandria. Dort leben viele koptische Christen. Inzwischen mussten bereits 100 000 von ihnen das Land verlassen. Ein trauriges Kapitel.
Vielleicht können Veranstaltungen wie diese vom Dienstag im Bugenhagensaal künftig dazu beitragen, dass Begriffe wie „Toleranz“ nicht zur Worthülse verkümmern, sondern auch in den jeweiligen Ländern gelebt werden. Die anwesenden arabischen Journalisten, die großes Interesse bekundeten, aber auch die übrigen Delegationsteilnehmer sollten in ihren Heimatländern als Multiplikatoren dazu in der Lage sein. Ein Empfang der arabischen Gäste bei Regionalbischof Siegfried Kasparick ließ am Abend einen ereignisreichen Tag ausklingen, ehe es am Ende der Reise am Mittwoch noch in die Bundeshauptstadt ging.

Quelle: Rainer Schultz Lutherstadt Wittenberg

 

Änderungen und Irrtümer vorbehalten!

Anmerkungen werden geschlossen.